Zhivitsa

Die Seele der Slawen

Am 21 Dezember feiern die Paganen in der nördlichen Hemisphäre die Wintersonnenwende. Die Slawen sind da keine Ausnahme! Wir feiern die Geburt der jungen Sonne!

Während in Russland und Ost-Europa tiefer Schnee liegt und der Frost Pflanzen und Bäume im Wald in weißen Mantel wickelt, haben wir hier, die Slawen in Deutschland (in östlichen Gebieten) es ziemlich mild. Viele vermissen Schnee und es fällt so manchen schwer zu glauben, dass hier der Winter herrscht.

Ich hatte Glück! Schnee zum ersten Mal seit 2 Jahren.

Doch die dunklen Tage sind gezählt, die Sonne nimmt kräftig zu, das Baby Kolajada (рус. Коляда)– der Gott der winterlichen Sonne – ist geboren. Licht vertreibt die Dunkelheit, Hoffnung auf Wiedergeburt erblüht, das Rad Richtung Sommer hat sich gedreht.

Die Nacht zum 21 Dezember nennt man Korochun (рус. Корочун)

Manch einer stellt sich den Korochun als die Verkörperung des Gottes des Winters, das Väterchen Frost selbst. Er geht um den Wald herum und kleidet die Pflanzen, Bäume und die verwirrten Wanderer in Schnee an, kontrolliert die Grenzen und bestrafft mit Kälte diejenigen, die den Wald ohne Respekt behandeln.

Jedes Kind in Russland kennt das Gedicht von Nikolai Nekrasov:

«…Не ветер бушует над бором,
Не с гор побежали ручьи,
Мороз-воевода дозором
Обходит владенья свои.

Глядит — хорошо ли метели
Лесные тропы занесли,
И нет ли где трещины, щели,
И нет ли где голой земли?..»

„…Nicht der Wind, der im Wald weht,
Nicht der Bach, der den Berg runterrennt,
Das ist das Väterchen Frost der Herrscher
Seine Gemächer rumgeht.
Er schaut, ob der Schneesturm die Wege
Im Wald mit Schnee richtig bedeckt,
Er schaut, ob er Pfade und Stege
ohne weiße Bekleidung entdeckt…“

Quelle: Некрасов – Мороз-воевода: стих „Не ветер бушует над бором“, текст стихотворения читать на РуСтих (rustih.ru)
Übersetzung: Lisa Hiems

Sonne gefangen!

Gott der Unterwelt, der dunklen Mächte, der Zerstörung, Verwandlung, aber auch Gerechtigkeit Chernobog hat die Tore zu Unterwelt (die Slawen nenn es Nav (рус. Навь) geöffnet um die bösen Mächte frei zu lassen. Aber Chernobog ist nicht mehr so mächtig, wie vorher. Doch der Kampf um die Macht steht noch bevor.

Die Grenze zur Unterwelt ist dünn in dieser Nacht. Mann muss sich nicht nur von den bösen Kreaturen schützen, die keine Problemen haben, in dieser Nacht die Grenze zu überschreiten, man kann auch noch mit den Ahnen kommunizieren, die jetzt aus den jenseits für eine Nacht zu uns kommen.

Treba für die Götter und Waldbewohner. Selbstgemachte Wachskerze, die Sonne aus Stroh, Körner für die Vögel, Milch für die Gesiter und Bilder der Götter Chernobog und Koljada.

In dieser Zeit vollziehen wie ein Ritual mit Opfergaben (die Slawen nennen es Treba, рус. Треба) und bieten die Götter, Ahnen und Geister uns zu helfen das Alte, Überflüssige und all das, das uns nicht mehr dient loszulassen und das Neue, Lebendige, das Licht, die Hoffnung und die Wiedergeburt zu schenken.

Meine Wenigkeit im Wald wünscht euch eine schöne Zeit!

Ich wünsche euch in dieser Zeit viel Ruhe, Geborgenheit, Harmonie und Hoffnung.

Der Blumen blühen jedes Jahr wieder!

Euere Lisa

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